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Vor- und Nachteile von Anthologien

Anthologie

»Anthologie, Sammlung von einzelnen, ursprünglich nicht zusammengehörigen Texten, […] vorzugsweise […] Gedichte oder andere kürzere Texte«, schreibt Volker Meid im Sachwörterbuch zur deutschen Literatur (1999) und erklärt weiter, dass der griechische Begriff »anthologia« ebenso wie der lateinische Name »florilegium« im Deutschen »Blütenlese« bedeutet. Solche Blütenlesen haben eine besondere Bedeutung für Autoren am Beginn ihrer Laufbahn. Denn sie bieten neben den Literaturzeitschriften eine weitere Möglichkeit zur Publikation, wenn die eigenen Texte noch keine Bücher füllen.
Anthologie-Projekte listen zum Beispiel die Website »Autorenwelt« (www.autorenwelt.de) unter »Aufrufe« und der Schreib­lust-Verlag (www.schreib­lust-verlag.de) unter »Wettbe­werbs­tipps« auf. Meist sind es Klein- und Kleinstverlage, die auf diese Weise Werbung und Geschäft miteinander verbinden. Auch bei manchem Wettbewerb winkt als »Preis« die Aufnahme des Beitrags in einen Sammelband. Die Vorteile liegen auf der Hand: Sie können eine Veröffentlichung nachweisen, haben Buchgeschenke für Familie, Freunde und Bekannte und sind auf Ihrem Weg zur etablierten Autorin oder zum erfolgreichen Autor einen weiteren Schritt vorangekommen.
Wenn Sie also irgendwo ein Projekt zu einem Thema entde­cken, das Sie interessiert, nur zu! Schreiben, abschicken, warten, sich nicht zu viele Hoffnungen machen – Sie kennen das Spiel. Trotzdem: Eine gewisse Skepsis sollten Sie sich auch hier bewahren. Es gibt Verlage, bei denen das Niveau einfach nicht stimmt. Das zu überprüfen, kann schwer sein. Buchhandlungen führen solche Bücher in der Regel nicht. Bleibt nur, sich auf der Homepage der Verlage oder – noch besser – am Stand auf der Buchmesse umzuschauen oder einen bereits erschienenen Titel zu kaufen. Manchmal können Sie auch bei Amazon einen »Blick ins Buch« werfen. Fragen Sie sich selbstkritisch, ob Sie in diesem Verlag publizieren möchten. Denn ein Buch in schlechter Ausstattung, gedruckt auf billigem Papier, angefüllt mit fehlerhaften Texten minderer Qualität mag man möglicherweise nicht einmal verschenken.
Mit einem Honorar können Sie in den seltensten Fällen rechnen, obwohl es fair wäre, die üblichen fünf bis zehn Prozent der Verkaufserlöse auf die mit einem Beitrag aufgenommenen Autoren zu verteilen. Ein Belegexemplar sollten Sie auf jeden Fall erhalten. Vorsicht ist immer dann geboten, wenn Sie selbst Geld zahlen sollen. Meist wird dieses Ansinnen elegant umschrieben: Da wird eine Teilnahmegebühr erhoben, die Abnahme einer bestimmten Zahl an Exemplaren gefordert oder es wird Ihnen nahegelegt, zuvor ein Gutachten erstellen zu lassen. So um die hundert Euro kommen da schnell zusammen, manchmal auch mehr. Überlegen Sie genau, ob es Ihnen das wert ist.

Ein Tipp aus dem Schreibratgeber:

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Schreibwettbewerbe – Wie denken Sie darüber?

Man kann durchaus geteilter Meinung darüber sein, ob die Beteiligung an Literaturwettbewerben sinnvoll ist. Zu den Vorteilen zählen: Wenig erfahrene Autorinnen und Autoren erhalten eine Chance, stärker wahrgenommen zu werden; ein Gewinn hübscht die Vita auf; und auch der Preis selbst ist oft nicht zu verachten, sei es ein Geldpreis, ein attraktiver Sachpreis oder eine Veröffentlichung. Dazu kommen positive Nebeneffekte für Sie. Sie machen wichtige Schreiberfahrungen, sind gezwungen, Texte abzuschließen und einer (wenn auch zunächst beschränkten) Öffentlichkeit zur Beurteilung zu überlassen – ein wichtiger Schritt zur professionellen Autorschaft.

Doch es gibt auch Gegenargumente. Wer mit einem größeren Schreibprojekt beschäftigt ist, verzettelt sich möglicherweise, wenn er immer wieder anderes dazwischenschiebt. Die Chancen auf einen Gewinn sind aufgrund der großen Teilnehmerzahl meist verschwindend gering. Wer mehrfach nicht berücksichtigt wird, empfindet leicht Frust, selbst wenn eine Ablehnung bei der Menge der Einsendungen nicht unbedingt etwas über die Qualität eines Textes aussagt. Und: Nicht alle Wettbewerbe sind seriös. Lohnt die Teilnahme, wenn Sie für ein Preisgeld von vielleicht 50 Euro das Recht an Ihrem Text ganz verlieren? Wie viel bringt Ihnen die „Einladung“ zu einer Lesung, wenn Sie die Anreisekosten selbst tragen sollen? Wie attraktiv ist der Gewinn eines Büchergutscheins eines gänzlich unbekannten Kleinstverlages oder die Beteiligung an einer Anthologie mit der Verpflichtung, eine bestimmte Menge der Bücher kaufen zu müssen? Hier sollten Sie sich fragen, ob Ihre schriftstellerische Leistung und der mögliche Gewinn in der richtigen Relation zueinander stehen. Noch kritischer wird es, wenn Sie für die Teilnahme zahlen sollen. Oft sind es nur 10 oder 15 Euro, die nicht wirklich wehtun. Für den Veranstalter kommt allerdings ein nettes Sümmchen zusammen, wenn Sie bedenken, dass drei- bis achthundert Einsendungen keine Seltenheit sind. Und wer überprüft, ob die Preise später wirklich vergeben werden?

Schreibtipp Für jeden Wettbewerb gelten besondere Bedingungen. Üblich sind Vorgaben zur Gattung, zum Thema, zum regionalen Bezug und zum Umfang. Außerdem gelten oft Einschränkungen im Hinblick auf Geschlecht, Alter oder Wohnort des Bewerbers. Ganz wichtig: Lesen Sie sich den Ausschreibungstext genau durch und halten Sie die Forderungen in jedem Fall ein! Ist als Höchstalter 35 Jahre festgesetzt, gibt es keine Ausnahmen für 36-Jährige. Wenn es um die Gattung der Kurzgeschichte geht, haben Gedichte, Essays oder Dramen keine Chance, egal wie gut sie geschrieben sind. Auch die Angaben zum Umfang sollten Sie sehr ernst nehmen. Wenn die Höchstgrenze bei 6.000 Zeichen liegt (immer inklusive der Leerzeichen), kann die Jury einen Text mit 6.002 Zeichen nicht berücksichtigen. Im Zweifelsfall wird tatsächlich nachgezählt.

Mir sind in letzter Zeit folgende Ausschreibungen aufgefallen:

Die Ausschreibung für den 6. Literaturpreis 2016 Antho? – Logisch! zum Thema „Freiheit“, Einsendungen bis zum 30. Mai 2015. Das Preisgeld von 1.500 Euro können allerdings leider nur Autoren einstreichen, die bereits literarische Texte veröffentlicht haben.

Über einen Abdruck seiner Geschichte im auflagenstarken „Buchjournal“ darf sich der Sieger des Buchjournal-Schreibwettbewerbs freuen. Außerdem gibt es Bücherschecks und eine Publikation bei BoD (Wert: 2000 Euro) zu gewinnen. Ein Thema ist nicht vorgegeben, Einsendeschluss ist der  31. Mai 2015.

Der Reiseführerverlag Michael Müller erwartet Reisereportagen von Travellern, die nicht älter als 35 Jahre sind, die Preisgelder sind mit 3000, 1500 und 750 Euro vergleichsweise üppig. Einsendeschluss ist der 31. August 2015.

Ich wünsche allen, die sich beteiligen, viel Erfolg. Und ich freue mich, etwas über Ihre Ansichten und Erfahrungen zum Thema „Schreibwettbewerb“ zu erfahren.

Und wer Leverkusen und Umgebung wohnt, kann sich am Dienstag, 28. April 2015, einen Eindruck von Wettbewerbssiegern und Ihren Texten verschaffen. Dann werden die Gewinner des Leverkusener Short-Story-Preises 2015 ausgezeichnet und lesen ihre Geschichten vor. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr in der Stadtbibliothek Leverkusen (Wiesdorf): Hier Adresse und Lageplan der Stadtbibliothek Leverkusen