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Hybrid-Autorin findet einen dritten Weg

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Hybrid-Autorin bin ich bereits seit vielen Jahren. Das heißt, ich publiziere sowohl in klassischen Verlagen als auch im Selbstverlag. Bücher und Geschichten von mir erschienen in großen (dtv, DuMont, Rowohlt) und kleineren Verlagen (Leda, Greifen, Dittrich). Seit 2009 sind zahlreiche Titel bei BoD (Books on Demand) und der Amazon-Plattform KDP (Kindle Direct Publishing; nur E-Books) dazugekommen.

Die Gründe für diesen zweiten Weg sind vielfältig. Da bei den neuen Verfahren keine Auflage, sondern nur auf Bestellung gedruckt wird, entsteht kein finanzielles Risiko. Jeder kann sein Buch selbst herausbringen, es kostet ihn nichts oder allenfalls weniger als 20 Euro. So konnte ich Bücher auf dem Markt halten, die der Verlag aus dem Programm genommen hatte, nach denen aber noch eine Nachfrage besteht. Für die Schreibratgeber wählte ich gleich diese Option, weil ich meine Zielgruppe kenne und sie selbst ansprechen kann.

Problematischer ist das Selbstpublizieren von belletristischen Titeln, weil die Zielgruppe schwer zu fassen ist. Erfolg hat man meist nur mit Genreliteratur zum kleinen Preis. Doch es gibt auch unter den Selfpublishern echte Stars: Autoren und Autorinnen, die sich selbst als Marke etabliert und eine eigene Fanbasis aufgebaut haben (z. B. Hanni Münzer, Emily Bold, Béla Bolten). Dazu ist es aber – neben vielem anderen – nötig, in relativ kurzen Abständen für Nachschub zu sorgen. So hat Béla Bolten beispielsweise innerhalb von fünf Jahren allein 17 Bände einer Krimireihe vorgelegt (neben weiteren Titeln). Für Gelegenheits- oder Langsamschreiber wie mich eine unvorstellbare Leistung.

Meinen ersten Rügen-Krimi habe ich nach der Insolvenz des Verlags nochmals selbst publiziert, mit begrenztem Erfolg. Deshalb war ich unsicher, was ich jetzt mit dem zweiten machen sollte, der im Herbst 2017 fertig wurde. Einen Verlag suchen? Aus Erfahrung weiß ich: Das ist ein aufwendiges und langwieriges Experiment mit ungewissem Ausgang. Ich war eigentlich schon entschlossen, auch diesen Band selbst zu verlegen, als ich einen dritten Weg entdeckte: die Veröffentlichung in einem Imprint. Ich stieß auf »Midnight by Ullstein«, eine Marke des Ullstein-Verlags für Krimi und Thriller, die vor allem als preisgünstige E-Books herauskommen, in der Kombination mit Büchern auf Bestellung.

Bisher sind meine Erfahrungen positiv. Überzeugt hat mich das Tempo: statt geschätzter zwei Jahre im herkömmlichen Verlag gerade mal zwei Monate. Anfang Dezember habe ich mein Manuskript zusammen mit einem kurzen Text, eher Klappentext als Exposé, auf der Plattform des Verlags hochgeladen. Wenige Tage später meldete sich eine Lektorin mit der Zusage, klaren Angaben zu den Bedingungen und einem Mustervertrag, der dem Üblichen entspricht. Nachfragen wurden umgehend und zufriedenstellend beantwortet. Ausführliche Informationen gibt es auch auf der Website des Imprints.

Natürlich liegen die Verdienstmargen deutlich unter denen, die erzielt werden können, wenn man das Buch selbst herausgibt (E-Book: 30 – 50 % des Nettoerlöses; bei BoD oder KDP sind bis zu 70 % möglich). Dafür lief das Manuskript jedoch durch ein professionelles Lektorat und Korrektorat, wurde optimal gestaltet und mit einem erstklassigen Cover ausgestattet, Biografie und Klappentext wurden überarbeitet. Titel und Autorin werden auf der Midnight-Website präsentiert, die Werbung über die sozialen Medien hat begonnen. Ich bin bisher sehr zufrieden mit dem umsichtigen und reibungslosen Ablauf des Herstellungsprozesses. Ob das Buch sich verkauft? Das muss sich erst noch zeigen. Es erscheint am 5. Februar 2018.

Mein Eindruck ist jedoch, dass aus meinem Manuskript ein passgenaues Produkt entstand, das Leserinnen und Leser, die meine Art von Kriminalroman (regional, cosy) schätzen, erreichen wird.

Wenn Sie selbst mit dem Gedanken spielen, sich mit Ihrem Manuskript bei einem Imprint zu bewerben, sollten Sie beachten: Das Spektrum ist meist sehr genau definiert. Jedes Imprint beschränkt sich auf eine genau umrissene Gattungs- und Zielgruppe. Informieren Sie sich also vorher auf der Website, ob Ihr Manuskript dazu passt. Stellen Sie sich darauf ein, dass der gesamte Ablauf papierlos abläuft: Kommuniziert wird per E-Mail, korrigiert direkt in den Dateien, geworben ausschließlich online. Und achten Sie darauf, ob Ihr Buch nur in der digitalen Version oder ergänzend auch als Print publiziert wird. Im Zentrum steht auf jeden Fall das E-Book.

Welcher Veröffentlichungsweg ist für Sie der ideale? Ich bin neugierig auf Ihre Erfahrungen.

Hier eine Auswahl von Imprints:

  • Ullstein: Midnight (Spannung) und Forever (Romance)
  • Amazon Publishing: Tinte & Feder (zeitgenössische und historische Romane deutscher Autoren); Edition M (Krimis & Thriller); Montlake Romance (Liebesromane); 47 North (Fantasy & Science Fiction)
  • Bastei Lübbe: Digitallabel Be mit BeBeyond (Fantasy); BeThrilled (Krimi, Thriller); BeHeartbeat (Romance, Liebe, Historischer Roman)
  • Piper: Fahrenheit: digital edition (Neuausrichtung)
  • Droemer Knaur: Feelings (Erotik, Heiteres, Romance)
  • Carlsen (für junge Leser): Impress (Paranormal Romance, Coming-of-Age und New Adult); Dark Diamonds (New Adult Fantasy).

 

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