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Klagenfurt oder Vom Umgang mit Kritik

Bachmannpreis

Geht es Ihnen wie mir? Sie haben eine tolle Idee, schreiben Stunden und Tage, streichen und ändern, suchen nach dem treffenden Wort und der besten Formulierung und sagen sich irgendwann: Das ist er, der perfekte Text! Und dann trauen Sie sich endlich, den Text einem kritischen Leser zu geben oder im Schreibkurs vorzulesen. Was erwarten Sie? Weiterlesen

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„Mir hat Ihr Buch nicht gefallen“ – vom Umgang mit Kritik

Wer schreibt, möchte gelesen werden. Deshalb sind Autoren in der Regel stolz und glücklich, wenn ihr Werk publiziert wird. Was man sich oft nicht klarmacht: Damit wird das Werk auch potenziell zum Gegenstand öffentlicher Bewertung. Solange es gelobt und empfohlen wird, genießt man diese Aufmerksamkeit, mit negativer Kritik und Ablehnung ist es schwieriger. Man muss erst lernen, sie zu akzeptieren und nicht auf sich selbst zu beziehen.

Was soll man tun, wenn ein Leser uns direkt sagt, dass ihm nicht gefällt, was wir geschrieben haben? Iris Boden hat darüber in ihrem Blog berichtet. „Ihre Geschichten sind alle so negativ. In meiner persönlichen Situation brauche ich aufbauende Geschichten“ wurde ihr vorgehalten. Es ist verständlich, dass die Autorin widersprach und auf die Absichten verwies, die sie beim Schreiben leiteten. Daraus entspann sich ein Pingpongspiel aus Meinung und Gegenmeinung. Natürlich musste dieser Disput ergebnislos bleiben, weil es einzig und allein um ein Geschmacksurteil ging. Die Leserin hat diese Lektüre subjektiv so empfunden, dagegen hat kein Argument Bestand. Unverständlich ist nur, warum sie die Autorin dafür verantwortlich macht.

Jedem von uns ist das schon mal passiert: Man kauft ein Buch, weil es ganz oben auf der Bestsellerliste steht oder weil eine Freundin schwärmt: »Das musst du unbedingt lesen.« Und dann ist man maßlos enttäuscht, weil es nicht den eigenen Erwartungen und dem persönlichen Lesegeschmack entspricht. Pech gehabt. Mir ist es zuletzt mit dem Buchpreisgewinner „Kruso“ von Lutz Seiler so gegangen. Ich komme einfach nicht rein in den Roman und finde ihn ziemlich langweilig. Vielleicht hätte ich mich vorher besser informieren, einen Blick ins Buch werfen oder die Leseprobe intensiver prüfen sollen. Nur: Dass mir das Buch nicht gefällt, kann ich dem Autor nicht anlasten.

Trotzdem gilt natürlich: Wer öffentlich agiert, muss lernen, mit Kritik zu leben, auch mit absurder und ungerechtfertigter. Man kann das bei Amazon sehr schön verfolgen. Gerade bei sehr erfolgreichen Büchern taucht mit Sicherheit irgendwann jemand auf, der eine Ein-Stern-Bewertung abgibt. Ob aus persönlicher Abneigung gegenüber Autor und Buch, um einen Konkurrenten zu diffamieren oder einfach nur in Trollmanier zu provozieren, lässt sich meist nicht feststellen. „Die Tipps sind allesamt altbacken und sind ausführlicher und besser im Internet zu finden“, schrieb Larissa Baumgärtner über meinen Ratgeber „Aus dem Lektorat“. Warum hat sie ihn dann gekauft?, fragte ich mich, reagierte aber nicht. Und auch den Rezensenten „Reiseschelm“ machte ich nicht darauf aufmerksam, dass er bei seinem Urteil, mein Krimi „Linstows Geheimnis“ habe das „Niveau eines Dreigroschenromans“ ganz sprachkreativ aus „Dreigroschenoper“ und „Groschenroman“ ein neues Wort gebildet hatte. Mir imponiert, wie die Autorin Hanni Münzer („Honigtot“) mit Ein-Stern-Meinungen bei Amazon umgeht. Sie schreibt zum Beispiel: „Haben Sie dank für Ihre Meinung zu meinem Buch. Es tut mir leid, dass es Ihnen so gar nicht gefallen hat.“ Außer Schweigen ist das die einzig angemessene Reaktion. Mehr ist nicht nötig. Jeder Leser hat das Recht zur Kritik, aber kein Autor muss sich für das rechtfertigen, was er geschrieben hat.

Anders verhält es sich übrigens bei begründeter Kritik. Ein Leser hat einen Sachfehler entdeckt? Jemand bemängelt eine große Zahl an Grammatik- oder Rechtschreibfehlern? Das sollten Sie überprüfen und nach Möglichkeit spätestens bei der nächsten Auflage ändern. Und sich beim Kritiker vielmals für den Hinweis bedanken.

Wie ist Ihre Meinung? Haben Sie Tipps, wie man mit kritischen Stimmen umgehen sollte?