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Road Novel der Romantik

Cover-Doerrier-BlogNach Rom – das war der Sehnsuchtsruf der deutschen Klassik und Romantik. Von Wien aus machen sich 1810 vier Kunststudenten auf den Weg, die den blutleeren Unterricht an der Akademie gründlich leid sind. Zuvor haben sie sich zum Bund der Lukasbrüder zusammengeschlossen. Ihr nicht gerade bescheidenes Ziel: Sie wollen die Kunst revolutionieren.

Alexandra Doerrier lässt uns teilhaben an der abenteuerlichen Reise von Friedrich Overbeck, Konrad Hottinger, Franz Pforr und Ludwig Vogel. Mit den Mitteln der Sprache schafft sie farbig leuchtende Gemälde, die uns die Landschaften Italiens mit allen Sinnen wahrnehmen lassen, so intensiv, wie die Reisenden sie empfunden haben mögen. In Rom werden die Freunde von einer feierfreudigen Künstlerszene empfangen. Es locken zahlreiche Vergnügungen, Nächte in Tavernen und Bordellen und der römische Karneval, die das Ziel des Bundes, eine neue christliche Kunst in der Nachfolge Raffaels zu schaffen, gehörig ins Wanken bringen.

Doerrier schildert uns den Lukasbund mit viel Einfühlungsvermögen und Sachkenntnis. Man lernt viel über die Entstehung einer höchst bedeutsamen, stilprägenden deutschen Kunstströmung, aber man wird nie belehrt. Die Autorin langweilt nicht mit kunstwissenschaftlichen Erörterungen, sondern lässt ihr enormes Sachwissen wie nebenbei in die unterhaltsame, zügig voranschreitende Handlung und die Streitgespräche der Freunde einfließen. Ihr ist ein lebhafter, farbiger und zuweilen auch komischer Roman gelungen. Und es ist gewiss kein Zufall, dass sie mit Konrad Hottinger ausgerechnet denjenigen die Geschichte der Freunde erzählen lässt, den die meisten Zweifel am Sinn der künstlerischen Mission plagen und dem es am schwersten fällt, sich in das entsagungsvolle Klosterleben zu fügen, das der immer mehr zum religiösen Fanatiker werdende Overbeck dem Bund aufdrängt.

Der Roman ist von überzeitlicher Aktualität und deshalb nicht nur kunsthistorisch Interessierten zu empfehlen, sondern allen, die sich mit Grundfragen menschlichen Lebens beschäftigen. „Die Lukasbrüder“ erweist sich als berührende und faszinierende Geschichte über das Wesen der Freiheit, über das große Ziel der Kunst, über das Entstehen eines berühmten Gemäldes und vor allem über die Freundschaft.

Alexandra Doerrier: Die Lukasbrüder. Die Nazarener und die Kunst ihrer Freundschaft. Hamburg: Acabus 2016, 216 S., 21,90 €