Archiv der Kategorie: Schreibtipps

Buchtipp: »Der deutsche Wortschatz« von Franz Dornseiff

DornseiffWie oft hat man das Gefühl, die deutsche Sprache besitze zu wenige Wörter. Dreimal haben Sie in einem kurzen Absatz schon gehen geschrieben. Hat man Ihnen nicht im Aufsatzunterricht zu vermitteln versucht, dass Wiederholungen unschön sind und deshalb vermieden werden sollen? Nun also, welche Synonyme, d. h. Wörter mit gleicher oder ähnlicher Bedeutung, gibt es zu gehen? Glücklicherweise sitzen Sie nicht mehr im Klassenzimmer und dürfen deshalb Hilfsmittel benutzen. Bekannt sind Ihnen vermutlich das Synonymwörterbuch des Duden (Band 8), das sinn- und sachver­wandte Wörter enthält, und die Thesaurus-Funktion von »Word«, die sich unter dem Menüpunkt Überprüfen verbirgt. Im »Word«-Thesaurus finden Sie immerhin zehn Verwandte des Gehens, unter anderem stolzieren, stelzen, walzen, schreiten. Im Synonymwörterbuch des Duden erfahren Sie, dass gehen in anderen Bedeutungen auch kündigen, funktionieren oder verkaufen heißen kann. Wenn Sie aber zu fortbewegen zurückblättern, treffen Sie auch hier auf eine hübsche Liste, zu der unter anderem schlurfen, schlurren, watscheln, pesen und wetzen gehören, aber etwa auch über den großen Onkel gehen oder wie ein Storch im Salat gehen. Weiterlesen

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Marketinginstrument Buchtitel

 

BuecherregalSo schwer es oft ist, einen passenden Namen für ein Kind zu finden, so schwer ist es, einem Roman, einer Erzählung oder einem Sachbuch einen passenden Titel zu geben. Ist das nicht egal?, werden Sie jetzt vielleicht fragen, weil Sie wissen, dass der Verlag den Titel festlegt. Nein, das ist es nicht. Natürlich haben Sie recht, den endgültigen Titel ersinnen Lektorat und Marketingabteilung des Verlags. Er soll möglichst viele potenzielle Kunden zum Kauf verführen. Doch Ihre Aufgabe ist zunächst Werbung in eigener Sache: Ein attraktiver Arbeitstitel soll den Lektor neugierig auf Ihr Manuskript machen. Wichtig ist der Titel darüber hinaus bei Beiträgen, die Sie zu Wettbewerben oder Anthologien einreichen. Und wenn Sie Ihre Werke selbst publizieren, müssen Sie selbst auf Werbewirksamkeit achten. Weiterlesen

Gänsefüßchen & Co.

Im Duden heißt es kurz und knapp: »Anführungszeichen stehen vor und hinter wörtlich wiedergegebenen Äußerungen und Gedanken.« So weit, so einfach. Der Teufel steckt wie immer im Detail. Lassen die zahlreichen Anführungsstriche bei schneller Wechselrede den Text nicht verwirrend und plump erscheinen? Stehen die Gänsefüßchen vor oder hinter den Satzzeichen? Warum erzeugt mein Textverarbeitungsprogramm nur „nach oben gerichtete“ Striche? Wann benutzt man ‚einfache‘ Anführungszeichen? Und wo verstecken sich eigentlich die kleinen »spitzen doppelten« oder ›einfachen‹ Zeichen, die viel hübscher sind als die >plumpen< Dinger, die mein Computer produziert? Weiterlesen

Mini-Bilderbücher schreiben und gestalten

Mini-Bilderbücher waren das Thema eines Samstagsseminars im Rahmen von „Köln spezial„. Die Idee dazu verdanke ich der Künstlerin Petra Paffenholz. Mit einer einfachen Falttechnik lässt sich ein Blatt Papier in ein Minibuch für Kinder oder Erwachsene verwandeln. Wenn Sie es nachmachen möchten: Hier wird es erklärt.

Ein Minibuch besteht also aus acht Seiten (Erweiterungen sind möglich), nimmt man DIN-A3-Blätter, haben die Seiten Oktavheft-Format. Gerade diese Begrenzung macht es spannend, den Inhalt entsprechend auszuwählen und zu reduzieren. Weiterlesen

Literarische Figuren entwickeln mit den »Big Five«

Playmobil-People-(3-von-10)Bei der psychologischen Ausstattung von Figuren können die Ergebnisse der Persönlichkeitsforschung interessante Anregungen geben. Zwar empfindet sich jeder Mensch als einzigartig, trotzdem bemühen sich Wissenschaftler immer wieder darum, Charaktertypen zu bestimmen, also nicht die Unterschiede, sondern die Ähnlichkeiten herauszustellen. Ausgehend von der antiken Temperamentenlehre, die zwischen Cholerikern, Melancholikern, Phlegmatikern und Sanguinikern unterscheidet, also zwischen reizbaren, depressiven, schwerfälligen und lebhaften Menschen, entstanden im Laufe der Jahrhunderte immer wieder neue Theorien. Dass fünf unabhängige und weitgehend kulturstabile Faktoren die Persönlichkeit des Menschen bestimmen, haben Forscher in den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts herausgefunden. Die »Big Five«, wie sie auch genannt werden, sind bipolar, das heißt, die Ausprägungen lassen sich in einem Spektrum zwischen jeweils zwei Extremen bestimmen:

  1. Neurotizismus meint den Umgang mit negativen Emotionen zwischen Labilität und Stabilität.
  2. Das zwischenmenschliche Verhalten pendelt zwischen geselliger, aktiver Extraversion und zurückhaltender Introversion.
  3. Der Offenheit für Neues und Experimentierfreude stehen Orientierung an Bekanntem und Bewährtem sowie konservative Einstellungen gegenüber.
  4. Verträglichkeit bezieht sich auf das interpersonelle Verhalten und kann altruistisch und empathisch oder egozentrisch und misstrauisch sein.
  5. Gewissenhaftigkeit umfasst das Spektrum zwischen planend und zuverlässig bis zu spontan und unstrukturiert.

Die Ergebnisse der Persönlichkeitspsychologie werden vor allem von Unternehmen für Personalauswahl, Karriereentwicklung und Teambildung genutzt. Ihnen als Autorin oder Autor können die Kategorien bei der Entwicklung Ihrer Hauptfiguren helfen. Im Internet finden sich entsprechende Tests mit Fragen und Auswertungen, mit deren Hilfe sich Persönlichkeitsprofile herausarbeiten oder schärfen lassen. Es ist aufschlussreich, einen solchen Test nicht für sich selbst, sondern für den Protagonisten auszufüllen. Man merkt dabei sehr deutlich, wenn man – möglicherweise ohne es zu wollen – ein Abziehbild seiner selbst geschaffen hat oder noch zu wenig über die Figur weiß. Hilfreich ist solch ein Test auch, wenn es schwerfällt, beide Seiten einer Figur zu sehen, also beim Bösewicht die positiven Eigenschaften und bei einer liebenswerten Person die negativen. Da die »Big Five« mehrere Dimensionen einer Persönlichkeit beleuchten, wird der Blick in gleicher Weise auf Schwächen wie Stärken gelenkt. Und schließlich werden durch die Analyse die Grundbedürfnisse gut sichtbar. Wenn also beispielsweise die Auswertung für Ihren Protagonisten ergibt, dass er überdurchschnittlich leistungsorientiert ist und nach Anerkennung strebt, haben Sie damit einen guten Hebel, um einen Konflikt zu entwickeln: Diese Figur wird aktiv, wenn man ihre Leistung nicht honoriert, wenn sich vielleicht sogar ein anderer damit schmückt.

Mehr zum Thema: Isa Schikorsky: Helden, Helfer und Halunken. Perfekte Figuren für Ihren Roman. Ein Schreibratgeber. Norderstedt: BoD 2014

Figuren und Vorurteile

Mein absoluter Lieblingsroman in diesem Frühling ist »Altes Land« von Dörte Hansen. Mir gefällt einfach alles an diesem Debüt. In einer direkten, klaren Sprache, ebenso ergreifend wie wahrhaftig, erzählt Hansen von den nie ganz vernarbenden Wunden, die durch Krieg und Vertreibung nicht nur in einer Generation entstanden sind, von Einsamkeit und unerfüllter Liebe, aber auch von Eitelkeit, Neid und Missgunst, von zerstörten Träumen und dem Willen, weiterzuleben – trotz alledem. Im Zentrum der verschiedenen, geschickt verknüpften Handlungsstränge stehen die schlichte Poesie einer alten Landschaft und ein altes Haus. Der melancholische Grundton verwandelt sich zuweilen in einen wunderbar bösen und sarkastischen Erzählstil. Und bei diesen Passagen ist mir wieder einmal aufgefallen, wie schmal der Grat ist, auf dem ein Erzähler balanciert, wenn seine Figuren andere der Lächerlichkeit preisgeben. Im zweiten Kapitel macht sich Anne, eine Protagonistin, über die Befürworter musikalischer Frühförderung lustig: »Die Musimaus-Kurse waren bei den Eltern von Hamburg-Ottensen fast noch begehrter als ein Schrebergarten mit Stromanschluss.« Wir lernen die junge Frau gerade erst kennen, erfahren, dass sie ihr Musikstudium abgebrochen hat und froh ist, als Flötistin mit den Kindern arbeiten zu können, und dass vor allem die Mütter dieses Stadtteils offenbar eine schwierige Klientel sind. Auch wenn man sich, je nach eigenem Status und Naturell, als Leser möglicherweise köstlich amüsiert über Annes bissige Gedanken, läuft sie als Figur doch Gefahr, sich die Zuneigung der Leser zu verscherzen. Es scheint so, als wolle sie sich durch Diffamierung der Helikopter-Eltern aus Hamburg-Ottensen selbst in ein besseres Licht stellen. Ein paar Seiten später wird jedoch klar, dass Anne selbst zu der von ihr so scharfzüngig attackierten Gruppe gehört. Und wenn in späteren Kapiteln die Perspektiven wechseln, zeigt sich, dass Anne ihr Kind genauso überfürsorglich umhegt wie die von ihr Kritisierten. Damit ist die Bodenhaftung wiederhergestellt. Der Leser bemerkt den blinden Fleck in der Wahrnehmung, eine häufig anzutreffende Eigenschaft, durch die Anne menschlich und sympathisch wirkt.

Weitere Beispiele, wie Sie als Autor oder Autorin mit den Vorurteilen und Wertungen der Figuren dazu beitragen, ob der Leser sie mag oder nicht, finden Sie in dem Schreibratgeber: »Helden, Helfer und Halunken. Perfekte Figuren für Ihren Roman«.

Überzeugende Protagonisten: Sonderaktion Figuren-Check

Figuren-Check

Ob ein Roman oder eine Erzählung wirklich begeistert, hängt ganz wesentlich von den Hauptfiguren ab. Meist sind es starke, eigenwillige Charaktere, die faszinieren oder verzaubern, Staunen, Erschrecken, Neugier oder Sympathie erzeugen.

Es ist sehr sinnvoll, sich vor dem eigentlichen Schreibbeginn oder zumindest parallel zum Schreiben am Roman oder der Erzählung ausführlich mit der Entwicklung der wichtigsten Figuren des Werkes zu befassen. Sie werden merken, dass dieser Schöpfungsprozess unglaublich viel Spaß macht und sehr kreativ ist. Es geht darum, dass Sie selbst mit Ihren Helden vertraut werden, deren Fähigkeiten und Grenzen ausloten, deren Träume, Ziele und Leidenschaften kennenlernen.

Ob die Figur den Anforderungen gerecht werden kann, die die fiktionale Welt an sie stellen wird? Ist sie interessant und mehrdimensional, hat sie Ecken und Kanten und ein Geheimnis, ist ihr Ziel glaubwürdig und gut motiviert? Das zu entscheiden fällt Ihnen als Schöpfer Ihrer Figuren vielleicht nicht leicht. Deshalb biete ich mich als kritische Leserin an.

Wenn Sie wissen möchten, ob Ihre Protagonisten das Potenzial haben, die Leser emotional tief zu beeindrucken, schicken Sie mir deren Biografie. Ich gebe Ihnen eine Rückmeldung zur Gestaltung und Wirkung der Figur in Form eines Gutachtens (ca. 2 bis 4 Seiten).
Sonderaktion: Pauschalpreis bis 30. Juni 2015 nur 40 Euro (statt 80 Euro; inklusive Mehrwertsteuer). Die Figurenbiografie kann bis zu 5 Normseiten bzw. 7.500 Zeichen (inklusive Leerzeichen) Umfang haben. Kontakt: Schikorsky@Stilistico.de

Damit die Figurenentwicklung etwas leichter fällt, habe ich  Aspekte der Figurenentwicklung zusammengestellt, die eine Rolle spielen können – aber nicht unbedingt müssen. Diese Liste soll Sie anregen und Ihnen Möglichkeiten aufzeigen, sie soll keineswegs Punkt für Punkt abgehakt werden. Sie entscheiden, welche Kriterien Sie benötigen.

Mehr über meine Erfahrungen als Lektorin und mein weiteres Angebot finden Sie unter: www.Stilistico.de/lektorat.html