Müssen Autoren und Autorinnen richtig schreiben?

RechtschreibungMüssen Autoren und Autorinnen die Rechtschreibung beherrschen? Wird der künstlerische Schaffensprozess durch die Beachtung formaler Regeln nicht geradezu behindert? Sollte es nicht vielmehr die Aufgabe des Lektorats oder einer Sekretärin im Verlag sein, die Fehler im Werk der künftigen Bestsellerautorin zu korrigieren? In diesem (von mir polemisch zugespitzten) Sinne äußerte sich neulich die Schreiberin eines Leserbriefes in einer Fachzeitschrift. Und unter denen, die ihre Werke selbst publizieren, gibt es durchaus die Ansicht, ein paar Rechtschreibfehler seien doch kein Problem. Dafür sei das Buch preiswert und einen Korrektor wolle oder könne man sich nicht leisten.Richtig ist sicher: Wenn der Lektor in der Autorin des eingereichten Werkes die künftige Literaturnobelpreisträgerin entdeckt, sind irgendwelche Rechtschreibfehler völlig unerheblich. Außerdem sind die Regeln der deutschen Orthografie, vor allem nach der Reform der Reform, dermaßen schwer durchschaubar, dass es ohne ständiges Blättern im Duden kaum geht. Und das kann den Schreibprozess tatsächlich ziemlich stören.
Andererseits denke ich, für die Schriftstellerei sollte dasselbe gelten wie für jeden anderen Beruf: Wer als Profi gelten will, sollte sein Metier beherrschen. Kenntnisse in Grammatik, Orthografie und Zeichensetzung gehören für mich mit zum Handwerkszeug des Autors und der Autorin. Die Überprüfung der Schreibung ist der letzte Schritt in einem langwierigen Arbeitsprozess, bevor ein Text den eigenen Schreibtisch verlässt.
Die Liberalisierung der Rechtschreibung hat bei vielen Menschen, auch bei mir, dazu geführt, dass die Unsicherheit eher größer als kleiner geworden ist. Und wer längere Zeit an einem Text, etwa einem Roman arbeitet, weiß am Ende oft nicht mehr, ob er sich nun für kennen lernen oder kennenlernen, für Erfolg versprechend oder erfolgversprechend entschieden hatte. Beides ist möglich, bei der einmal gewählten Variante sollte man aber durchgängig bleiben. Mir hilft »Duden Korrektor«, eine Software, die Texte wesentlich gründlicher prüft, als das mit den üblichen Optionen von Word möglich ist. Sie können voreinstellen, welchem Schreibgebrauch Sie folgen möchten (zum Beispiel: konservativ, tolerant, Duden-Empfehlungen), und können sich zu jeder Fehlermeldung die entsprechende Regel bzw. Vorschläge zur Schreibung anzeigen lassen oder in weiteren Duden-Bänden nachschlagen und manches mehr. Ich muss gestehen, auf diese Weise einige Fehler entdeckt zu haben, die ich nie für welche gehalten hätte (dass es zum Beispiel zurzeit heißt und nicht zur Zeit). Aber natürlich ist auch »Duden Korrektor« nicht perfekt. Sie müssen selbst wissen, ob Sie ein Wort nun gerade als Substantiv verwenden oder nicht, ob nach dem Doppelpunkt ein vollständiger Satz folgt (und deshalb das erste Wort großgeschrieben wird) oder nicht (und deshalb kleingeschrieben wird). Und: Es gibt Fehler, die das Programm schlicht übersieht und Schlängellinien an Stellen, wo es keine Fehler gibt. Der klassische Buch-Duden ist deshalb bei mir noch häufiger als vorher im Einsatz.
Selbst das beste Korrekturprogramm übersieht fehlende Wörter und oft auch fehlende oder falsche Endungen, die sich beim Überarbeiten und bei Satzumstellungen sehr schnell einschleichen. Dagegen habe ich folgenden Trick entdeckt: Ich lasse mir den Text von einer Digitalstimme langsam vorlesen. Dafür nutze ich die kostenlose Software »Balabolka« (https://balabolka.de.softonic.com/). Die Qualität der Sprecher ist nicht überzeugend, aber gerade dieser Verfremdungseffekt erhöht die Aufmerksamkeit.
Nachtrag 2018: Inzwischen wird »Duden Korrektor« nicht mehr vom Dudenverlag selbst vertrieben, sondern von der Firma »EPC Consulting und Software GmbH«. Es gibt eine kostenlose Testversion, eine Kurzlizenz für sechs Monate und eine Vollversion (94 Euro).Weitere Informationen finden Sie unter: www.epc.de

Ein Tipp aus dem Schreibratgeber:

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Aus dem Lektorat 1 und 2. 100 Tipps zum Schreiben und Veröffentlichen. Norderstedt: BoD 2018, 12,90 Euro.

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