Lockerungsübung: automatisch schreiben

automatisches Schreiben

Wer mit dem Schreiben beginnt, leidet zuweilen unter Schreibhemmungen. Oft steckt dahinter ein Streben nach Perfektionismus, dem die Vorstellung zugrunde liegt, jede Formulierung müsse bis in alle Ewigkeit so stehen bleiben. Mit zunehmender Schreibpraxis verliert sich das Gefühl meist, man schreibt unbekümmerter, weil man weiß, dass sich alles immer wieder korrigieren lässt. Wenn es aber bei neuen oder besonders wichtigen Projekten einmal hakt, wenn man keinen Anfang findet und frustriert aufs weiße Blatt oder den blinkenden Cursor des Monitors starrt, kann es sinnvoll sein, auf eine kreative Methode zurückzugreifen, gewissermaßen als Lockerungs- und Entspannungsübung.Ein Verfahren, das ich persönlich sehr schätze, ist das automatische Schreiben. Es setzt dem rationalen, mit Überlegung und Logik geformten Text das Experiment entgegen, die freie Assoziation, den spontanen und unbewussten Ausdruck. Wenn es funktioniert, geraten Sie in den Fluss der Sprache, aus dem Ideen und Bilder aufsteigen.
Häufig genutzt wurde das automatische Schreiben von den Surrealisten. Ob es tatsächlich so ist, »daß in jedem Augenblick in unserem Bewußtsein ein unbekannter Satz existiert, der nur darauf wartet, ausgesprochen zu werden«, wie André Breton in seinem „Ersten Manifest des Surrealismus“ (1924) behauptete? Probieren Sie es aus! Breton rät: »Schreiben Sie schnell, ohne vorgefaßtes Thema, schnell genug, um nichts zu behalten, oder um nicht versucht zu sein, zu überlegen.« Ganz wichtig: Nicht den Stift absetzen, nicht die Finger von der Tastatur nehmen, immer weiterschreiben. Denken Sie auf keinen Fall! Sinnen Sie nicht über das nach, was Sie gerade geschrieben haben. Verbieten Sie sich alle Gedanken, insbesondere solche wie: Ist das überhaupt ein richtiger Satz? Wie wird das Wort geschrieben? Das ist doch völliger Blödsinn! – Schreiben Sie, was Ihnen durch den Kopf geht, völlig frei und unzensiert, ohne einen Gedanken an Rechtschreibung, Stil, Struktur, Logik zu verschwenden.
Wer nicht ganz frei schreiben mag, kann ein Wort, einen Satzbeginn oder einen Satz als Impulsgeber nutzen, zum Beispiel: »Als ich heute Morgen erwachte …«, »Reden ist Silber …« (oder ein anderes Sprichwort).
Sie können sich einen Wecker stellen, zehn Minuten genügen. Alternativ schreiben Sie einfach so lange, bis Sie sich leergeschrieben fühlen. Wenn am Ende eine logisch aufgebaute Geschichte entstanden ist, haben Sie vermutlich etwas falsch gemacht. In der Regel entsteht ein Steinbruch mit mehr oder weniger ausgeprägten Goldadern, in denen ungewöhnliche, originelle Formulierungen und Ideen aufblitzen, die zum Weiterdenken und Weiterschreiben anregen. Viel Spaß dabei!

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