Schreibtipp: Die Tücken des Vornamens

figuren-namenEin Vorname sagt mehr als tausend Worte: Das stellten Psychologiestudenten aus Chemnitz fest, die für ihre Diplomarbeit die Wahrnehmung von Vornamen erforscht haben. Zentral ist die Wahrnehmung des Alters. Wer einen Namen hört, schließt sogleich auf das Alter des Namensträgers. Darüber hinaus lösen Vornamen Assoziationen über Attraktivität, Intelligenz und Religiosität des Namensträgers aus. Die Forscher unterscheiden altmodische Namen wie Birgit oder Torsten, Modenamen wie Kevin oder Laura und zeitlose Namen wie Anna oder Michael. Ein Ergebnis der Untersuchung: Moderne Namen signalisieren in stärkerem Maße Attraktivität als solche, die als altmodisch bewertet werden. Und: Wer als attraktiver gilt, wird auch als intelligenter eingeschätzt. Andere Studien führen weitere interessante Beobachtungen an: Während in England eine Susan oder ein David die besten Karrierechancen haben soll, dürfte in Deutschland einer Jacqueline oder einer Chantal der Aufstieg schwerfallen, weil ihre Namen mit der sozialen Unterschicht in Verbindung gebracht werden.
Das heißt für Sie, dass Sie schon mit der Wahl der Vornamen Ihrer Figuren die Vorstellung des Lesers bewusst oder unbewusst in eine ganz bestimmte Richtung lenken. Soll die Figur möglichst »normal« erscheinen, empfiehlt sich ein zeitloser Name. Exzentrische Personen brauchen dagegen exzentrische Namen. Außerdem kann man mit Kontrasten arbeiten, indem man zum Beispiel einer schüchternen, stillen Person einen bombastischen Namen gibt oder umgekehrt. Ganz wichtig aber ist, dass der Name zum Alter passt. Doch welche Namen waren im Geburtsjahr Ihrer Helden aktuell? Diese und zahlreiche weitere Fragen zur Vornamengebung beantwortet die Internetseite www.beliebte-vornamen.de. Sie bietet eine Fülle von Informationen für die Namensuche, vor allem Ranglisten der beliebtesten Vornamen von 1890 bis heute! Sie können also jeden Vornamen haargenau passend zum Geburtsjahr Ihrer Protagonisten aussuchen. Zu vielen Namen gibt es Bedeutungserklärungen und Statistiken. Sie erfahren zum Beispiel, dass Adolf einer der beliebtesten Vornamen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts war, der aber (aus guten Gründen) nach 1942 ziemlich abrupt aus den Hitlisten verschwand. Kevin tauchte erst um 1990 auf, Mika erst nach 2000, während Anna in allen Ranglisten seit 1890 vertreten ist, wenn auch im steten Auf und Ab. Darüber hinaus bietet die Seite Listen mit seltenen Vornamen, mit internationalen Vornamen und mit Doppelnamen. Eine Fundgrube für jede Namensuche, die nur einen Nachteil hat: Man gerät in Gefahr, die Recherche so weit auszudehnen, dass das Schreiben zu kurz kommt.
Wer es gern noch genauer wissen möchte, dem sei das Sachbuch von Gabriele Rodriguez: „Namen machen Leute – Wie Vornamen unser Leben beeinflussen“ (2017) empfohlen, das auf Forschungen der Universität Leipzig basiert.

Ein Tipp aus dem Schreibratgeber:

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Ein Gedanke zu „Schreibtipp: Die Tücken des Vornamens

  1. Pingback: Namen sind Schall und Rauch … – Nel Faro schreibt

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