Ein Roman in einem Monat: NaNoWriMo

Vintage typewriter

Wenn Sie im Internet unterwegs sind, haben Sie bestimmt schon vom NaNoWriMo gehört, oder? Jedes Jahr im November häufen sich in den Autorenforen und sozialen Netzwerken die stolzen Erfolgsmeldungen über Seiten- und Zeichenzahlen, die innerhalb von vierundzwanzig Stunden produziert wurden, sowie die Klagen über verfehlte Tagesziele. Ich wollte wissen, was genau sich hinter der kryptischen Abkürzung verbirgt. NaNoWriMo steht für »National Novel Writing Month«. Ein Projekt, das 1999 in den USA erfunden wurde, jährlich stattfindet und inzwischen in zahlreichen Ländern weltweit verbreitet ist. Das Ziel besteht darin, während der dreißig Tage des Monats November einen Roman im Umfang von mindestens 50.000 Wörtern zu verfassen. Das entspricht etwa zweihundert Normseiten und bedeutet eine Tagesleistung von knapp sieben Normseiten. Ein ambitioniertes Vorhaben, wenn ich es mit meinem persönlichen Schreibtempo vergleiche. Schaffe ich ausnahmsweise einmal drei bis vier Seiten, bin ich glücklich.
Man kann ganz grundsätzlich der Ansicht sein, Schreiben im Akkord ist Unsinn. Wie soll sich eine kreative Tätigkeit in ein enges Korsett von Regeln pressen lassen? Die Zahlen machen deutlich, dass Scheitern durchaus eine Option ist: Im Jahr 2009 erreichten von 165.000 registrierten Autoren nur rund 30.000 das Ziel. Der materielle Gewinn ist bescheiden (eine Urkunde zum Selbstausdrucken), trotzdem glaube ich, der ideelle kann beträchtlich sein. Wer schon mal unter Druck arbeiten musste, merkt zu seinem Erstaunen, dass ein gewisses Maß an Zwang produktivitätsfördernd wirkt. Und so kann auch diese Schreib­olympiade zu besonderen Leistungen anspornen. Vor allem diejenigen, die zum Perfektionismus neigen. Wer sonst jeden Satz, kaum dass er geschrieben wurde, auf den Prüfstand stellt und ändert, sieht sich nun gezwungen, den inneren Zensor auszuschalten und endlich draufloszuschreiben, manchmal mit überraschend positivem Ergebnis. Natürlich ist am 30. November kein Roman, sondern bestenfalls ein Romanentwurf entstanden, eine Rohfassung, die gründlich überarbeitet werden muss. Aber Sie haben sich bewiesen, dass Sie es können.
Wer also den Plan, einen Roman zu schreiben, bereits lange mit sich herumschleppt und im November keine weiteren Herausforderungen bewältigen muss, sollte es einfach mal wagen. Sie können sich registrieren und haben dann zusätzlich die Möglichkeit, sich im Forum für deutschsprachige Autoren auszutauschen. Sie können allerdings auch auf die offizielle Anmeldung verzichten, und allein für sich die Regeln befolgen.
Alle Informationen finden Sie unter: https://nanowrimo.org

Ein Tipp aus dem Schreibratgeber:

Aus-dem-Lektorat-1-2

Aus dem Lektorat 1 und 2. 100 Tipps zum Schreiben und Veröffentlichen. Norderstedt: BoD 2018, 12,90 Euro.

Portofreie Bestellungen im BoD-Buchshop, bei Amazon oder überall im stationären Buchhandel

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s