Gänsefüßchen & Co.

Im Duden heißt es kurz und knapp: »Anführungszeichen stehen vor und hinter wörtlich wiedergegebenen Äußerungen und Gedanken.« So weit, so einfach. Der Teufel steckt wie immer im Detail. Lassen die zahlreichen Anführungsstriche bei schneller Wechselrede den Text nicht verwirrend und plump erscheinen? Stehen die Gänsefüßchen vor oder hinter den Satzzeichen? Warum erzeugt mein Textverarbeitungsprogramm nur „nach oben gerichtete“ Striche? Wann benutzt man ‚einfache‘ Anführungszeichen? Und wo verstecken sich eigentlich die kleinen »spitzen doppelten« oder ›einfachen‹ Zeichen, die viel hübscher sind als die >plumpen< Dinger, die mein Computer produziert?

Selbst der sonst so hilfreiche Trick, ein paar Bücher aus dem Regal zu ziehen, um darin nach dem richtigen Dreh zu forschen, funktioniert diesmal nicht. Im Gegenteil, die Verwirrung nimmt noch zu. Da gibt es die korrekten Traditionalisten und die Ästheten mit den »spitzen« Klämmerchen (auch »Möwchen« genannt), die allerdings (bevorzugt in Frankreich und aus dem Französischen übersetzten Büchern) auch «umgekehrt» verwendet werden, dann heißen sie Guillemets. Im angloamerikanischen Bereich und im Internet sind die ʺgeradenʺ Anführungszeichen gebräuchlich. Die Pragmatiker setzen am Beginn einer Zeile einen Gedankenstrich als Signal für den Beginn wörtlicher Rede und die Avantgardisten verzichten auf jegliche Kennzeichnung, so wirkt auch der schlichteste Text schwierig und modern. Dürfen die denn das? Ja. Es gibt für belletristische Texte keine festen Regeln, weder für die Schreibung noch für die Zeichensetzung. Künstlerische Freiheit eben. Wenn Sie aber Ihren Lesern die Lektüre nicht unnötig erschweren möchten, sollten Sie folgende Empfehlungen beachten:

  1. Setzen Sie in deutschsprachigen Texten „normale“ Anführungszeichen oder »spitze« Möwchen.
  2. Beginnen Sie mit jedem Sprecherwechsel eine neue Zeile (eventuell mit einer kleinen Einrückung).
  3. Berücksichtigen Sie die Regeln für die Zeichensetzung in Verbindung mit den Anführungszeichen. Je nachdem, ob das Satzzeichen zur wörtlichen Rede gehört oder nicht, steht es vor oder hinter dem Anführungszeichen.
  4. Beachten Sie die Regel „96“, eine Eselsbrücke, die hilft, sich die Stellung der Anführungszeichen zu merken. Bei der Anführung befindet sich die Verdickung oben (9), bei der Abführung unten (6).
  5. Ein weiteres Zitat innerhalb von wörtlicher Rede erscheint in ‚einfachen‘ Anführungszeichen, die es auch als ›einfache‹ Möwchen gibt.
  6. Achten Sie darauf, dass Ihr Textverarbeitungsprogramm typografische Anführungszeichen generiert, d. h., dass im Menü von »Word« unter dem Punkt Word-Optionen / Autokorrektur / Autoformat ein Häkchen im Kästchen bei Ersetzen: gerade Anführungszeichen durch typographische steht.
  7. Die im Buchdruck häufig verwendeten spitzen Klammern für die Markierung wörtlicher Rede finden Sie bei »Word« unter Einfügen / Symbole. Tipp: Mit der Funktion Autokorrektur können Sie die Taste mit den zu großen >spitzen< Klammern umbelegen, sodass statt dessen die »kleinen« Zeichen erscheinen.

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2 Gedanken zu „Gänsefüßchen & Co.

  1. Anne Poettgen

    Liebe Frau Schikorsky, der Kauf bei BoD ist schwierig bis unmöglich, mehrfaches Klicken, dann Anmelden mit dem eigenen Konto bei BoD, das ging dann gar nicht. Also ab zu Amazon.

    Antwort
    1. Isa Schikorsky Autor

      Ja, das ist sehr ärgerlich, liebe Frau Pöttgen. Die BoD-Seite ist tatsächlich ziemlich langsam. Registrieren mussten Sie sich bei Amazon auch irgendwann mal. Aber es ist natürlich umständlich, es für eine Bestellung bei einem anderen Anbieter zu machen. Deshalb kann ich jeden verstehen, der dann doch beim großen A bestellt. Obwohl mir ein Kauf bei BoD mehr Honorar einbringen würde. Herzliche Grüße!

      Antwort

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