Archiv für den Monat Januar 2016

Zutiefst berührend. Großartig! – Achim Freudenberg: „Das Mädchen auf der anderen Seite“

Wann habe ich zum letzten Mal (beinahe) die Nacht durchgelesen? Das ist ewig her. Doch mit Achim Freudenbergs Debütroman „Das Mädchen auf der anderen Seite“ ist es mir so ergangen. Die Handlung ist so vorwärtsdrängend und spannend, die Cliffhanger sind so raffiniert gesetzt, dass man das Buch nur sehr schwer aus der Hand legen kann. Und das, obwohl ich eigentlich allergisch bin gegen jede Form von Übersinnlichkeit.

Freudenberg-Cover

Erstaunlicherweise findet man es relativ schnell ganz normal, dass die Hauptfigur, die Radiojournalistin Eva Bottin, Tote sehen kann und mit ihnen zu kommunizieren vermag. Es wirkt selbstverständlich, weil Bottin als sehr rational denkende Person eingeführt wird, die zunächst selbst an ihrer Wahrnehmung zweifelt und erst allmählich begreift, dass sie offenbar über eine besondere Gabe verfügt. Gerne folgt man der etwas schusseligen, aber sehr sympathischen Protagonistin durch ihren chaotischen Alltag. Mehr als einmal möchte man sie warnen, dieses oder jenes besser sein zu lassen, stürzt sich dann aber trotzdem mit ihr in die nächste gefährliche Situation. Traut sie sich doch Dinge zu, über die man lieber nur liest, statt sie selbst zu erleben.

Eva Bottins spezielle Fähigkeit ist der Motor für die Geschichte. Die Journalistin gerät immer stärker in die Rolle der Ermittlerin, bei ihr laufen die anfangs verwirrend vielen Handlungsstränge zusammen. Überzeugend motiviert ist ihr Aktionismus durch die Sorge um den verschwundenen besten Freund. Dass ihr Liebhaber Polizist ist, erweist sich zuweilen für ihre Nachforschungen als ausgesprochen hilfreich.

Für jemanden wie mich, die ansonsten Kuschelkrimis bevorzugt, waren die Szenen, in denen die brutalen Taten akribisch beschrieben werden, kaum zu ertragen. Doch diese Schilderungen, die durch die extreme Nüchternheit der Sprache umso grausamer wirken, sind dramaturgisch berechtigt und notwendig. Das versteht man am Ende, wenn man die Vorgeschichte kennt. Denn hier geht es nicht um eine Darstellung von Brutalität um der Brutalität willen. Freudenberg gelingt es eindrucksvoll, das Grauen physisch wie psychisch ganz nah zu zeigen. Dass die Frage nach Täter und Opfer nicht so einfach und eindeutig zu beantworten ist, wie manch simpel gestrickter Krimi uns weismachen will, wird bereits in dem ergreifenden Prolog deutlich. Ein Roman, der fassungslos macht, zutiefst berührt und vor Spannung vibriert. Großartig!

Achim Freudenberg: Das Mädchen auf der anderen Seite. Thriller. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt TB 2016, 400 S., 9,99 Euro 

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Buchgestaltung für Selfpublisher – Tipp 5: Wählen Sie einen harmonisch wirkenden Zeilenabstand

Buchtipp5Zur Lesefreundlichkeit trägt ein ausreichender Zeilenabstand erheblich bei. Beim voreingestellten einfachen Abstand stehen die Zeilen sehr dicht untereinander und erzeugen leicht den Eindruck, als ob sie ineinanderfließen. Ein zu großer Abstand reißt dagegen die Einheit des Textes auseinander und erschwert die Lektüre, weil das Auge von einer Zeile zur nächsten springen muss. Gewünscht ist ein weicher, fließender Wechsel in der Wahrnehmung der Zeilen, den Sie erreichen, wenn Sie einen Zeilenabstand von 110 – 120 % der Schriftgröße wählen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die sogenannte Registerhaltigkeit, die mit Word wesentlich schwerer umzusetzen ist als mit einem professionellen Satzprogramm. Damit ein klares Schriftbild entsteht, müssen die Zeilen bei jedem Blatt auf der Vor- und der Rückseite deckungsgleich sein. Ist das nicht der Fall, schimmert die Schrift durch und erzeugt einen Grauschleier. Sie sollten deshalb nur einen einzigen, festen Zeilenabstand für den gesamten Text nutzen. Bei automatischem oder x-fachem Abstand verrutscht der Text immer dann, wenn z. B. bei einer Überschrift mit einer anderen Schriftgröße gearbeitet wird.

START> Absatz > Einzüge und Abstände > Abstand > Zeilenabstand > genau [12 Pt. oder 13 Pt.]. Achten Sie darauf, dass bei »Vor« und »Nach« jeweils 0 eingetragen ist.

Dieser Tipp stammt aus der Kurzanleitung Buchgestaltung mit Word. Schritt für Schritt zum Print on Demand (Norderstedt: BoD 2015, 48 S., 4,99 €; E-Book 2,99 €). Der Titel ist überall im Buchhandel bestellbar.

Tipp 4: Nehmen Sie eine gut lesbare Schrift

Tipp 6: Nutzen Sie Blocksatz und Silbentrennung zusammen