Archiv für den Monat Juni 2015

Literarische Figuren entwickeln mit den »Big Five«

Playmobil-People-(3-von-10)Bei der psychologischen Ausstattung von Figuren können die Ergebnisse der Persönlichkeitsforschung interessante Anregungen geben. Zwar empfindet sich jeder Mensch als einzigartig, trotzdem bemühen sich Wissenschaftler immer wieder darum, Charaktertypen zu bestimmen, also nicht die Unterschiede, sondern die Ähnlichkeiten herauszustellen. Ausgehend von der antiken Temperamentenlehre, die zwischen Cholerikern, Melancholikern, Phlegmatikern und Sanguinikern unterscheidet, also zwischen reizbaren, depressiven, schwerfälligen und lebhaften Menschen, entstanden im Laufe der Jahrhunderte immer wieder neue Theorien. Dass fünf unabhängige und weitgehend kulturstabile Faktoren die Persönlichkeit des Menschen bestimmen, haben Forscher in den Dreißigerjahren des 20. Jahrhunderts herausgefunden. Die »Big Five«, wie sie auch genannt werden, sind bipolar, das heißt, die Ausprägungen lassen sich in einem Spektrum zwischen jeweils zwei Extremen bestimmen:

  1. Neurotizismus meint den Umgang mit negativen Emotionen zwischen Labilität und Stabilität.
  2. Das zwischenmenschliche Verhalten pendelt zwischen geselliger, aktiver Extraversion und zurückhaltender Introversion.
  3. Der Offenheit für Neues und Experimentierfreude stehen Orientierung an Bekanntem und Bewährtem sowie konservative Einstellungen gegenüber.
  4. Verträglichkeit bezieht sich auf das interpersonelle Verhalten und kann altruistisch und empathisch oder egozentrisch und misstrauisch sein.
  5. Gewissenhaftigkeit umfasst das Spektrum zwischen planend und zuverlässig bis zu spontan und unstrukturiert.

Die Ergebnisse der Persönlichkeitspsychologie werden vor allem von Unternehmen für Personalauswahl, Karriereentwicklung und Teambildung genutzt. Ihnen als Autorin oder Autor können die Kategorien bei der Entwicklung Ihrer Hauptfiguren helfen. Im Internet finden sich entsprechende Tests mit Fragen und Auswertungen, mit deren Hilfe sich Persönlichkeitsprofile herausarbeiten oder schärfen lassen. Es ist aufschlussreich, einen solchen Test nicht für sich selbst, sondern für den Protagonisten auszufüllen. Man merkt dabei sehr deutlich, wenn man – möglicherweise ohne es zu wollen – ein Abziehbild seiner selbst geschaffen hat oder noch zu wenig über die Figur weiß. Hilfreich ist solch ein Test auch, wenn es schwerfällt, beide Seiten einer Figur zu sehen, also beim Bösewicht die positiven Eigenschaften und bei einer liebenswerten Person die negativen. Da die »Big Five« mehrere Dimensionen einer Persönlichkeit beleuchten, wird der Blick in gleicher Weise auf Schwächen wie Stärken gelenkt. Und schließlich werden durch die Analyse die Grundbedürfnisse gut sichtbar. Wenn also beispielsweise die Auswertung für Ihren Protagonisten ergibt, dass er überdurchschnittlich leistungsorientiert ist und nach Anerkennung strebt, haben Sie damit einen guten Hebel, um einen Konflikt zu entwickeln: Diese Figur wird aktiv, wenn man ihre Leistung nicht honoriert, wenn sich vielleicht sogar ein anderer damit schmückt.

Mehr zum Thema: Isa Schikorsky: Helden, Helfer und Halunken. Perfekte Figuren für Ihren Roman. Ein Schreibratgeber. Norderstedt: BoD 2014

Schreiben in der Kölner Flora

Flora_2015-(30-von-32)

Phantastische Flora,
duftend, rankend, kletternd,
mit tollem Aroma.
(Joachim Berger)

Mit diesem Ritornell drückte Joachim Berger seine Begeisterung für eine Kölner Sehenswürdigkeit aus, die oft nicht richtig gewürdigt wird. Vielleicht, weil sie nichts kostet? Jedenfalls ist der Botanische Garten mit der Flora ein großartiger Ort: Bei freiem Eintritt täglich geöffnet, lädt er zu Spaziergängen ein, die auf kurzem Weg durch Heide-, Alpen- und Wüstenlandschaften führen. Ein idealer Platz für Entdeckungen, zum Entspannen und natürlich zum Schreiben.

Der Ginkgo

Flora-GingkoUnser Frühlingsmorgen in der Flora begann sonnig, aber kühl. Und er führte uns zuerst zum imposanten Ginkgobaum, denn nirgendwo sonst lässt sich besser erkennen, wie Naturlyrik funktioniert. Goethe überträgt in seinem Gedicht »Ginkgo biloba« auf eindrucksvolle Weise die Eigenschaft des Blattes auf das menschliche Wesen und das der Liebe.

Ist es Ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt,
Sind es zwey die sich erlesen,
Daß man sie als Eines kennt.
(Johann Wolfgang von Goethe)

Ehrfurcht vor dem Klassiker kannten die Teilnehmenden nicht, wenn sie über den Ginkgo etwa dichteten:

Gemeinsam, einheitlich, natürlich
in Eintracht, Harmonie, manierlich
so macht er auf „bella figura“:
sonnendurchstrahlt – ganz in natura!
(Carola Grün)

In der Folge entdeckten die Teilnehmer und Teilnehmerinnen auf ihren Streifzügen durch den Garten viele andere Pflanzen, die ihre Aufmerksamkeit weckten, weil deren Namen oder Eigenschaften menschliches Dasein und Handeln symbolisieren. Aus den Beobachtungen gestalteten sie Prosaminiaturen, Ritornelle und Haikus.

Die Iris

Iris Blätter flügelgleich
ganz blau-blau-blau, getrennte Richtung
so wechselhaft auch diese Dichtung: im Farbenreich!
(Carola Grün)

Flora-Iris

Der Enzian

Der Enzian ist ein Blaublütler,
er macht auch Menschen blau.
Daher braucht der Trinker einen Behüter,
sonst ist er schnell Mau-Mau.
(Joachim Berger)

Japanischer Schneeball

Mandelaugen sahen dich zuerst
in einem Land umgeben vom Stillen Ozean,
jetzt erschütternd verseucht durch menschliche Dummheit.
Dummheit, die die Fülle der Natur nicht erkennt.
Nicht erkennt deine überbordenden Kaskaden der Schönheit,
dargeboten von Blüten rund wie Schneebälle.
(Inge Kurtenbach)

Der alle Sinne anregende Vormittag klang im Terrassencafé »Dank Augusta« aus. Nächstes Frühjahr heißt es sicher wieder »Schreiben in der Flora«.

Flora-Buecher

Schreibtipp

Haben Sie Lust, ein Ritornell zu schreiben?

Anregungen finden Sie überall in Gärten und Parks. Ein Ritornell (ital. »Refrain«, »Wiederholung«, abgeleitet aus »ritornare«: »zurückkommen«) ist eine aus der italienischen Volksdichtung stammende Gedichtform. Es besteht aus drei Zeilen (1. meist fünf bis sieben Silben; 2. und 3. elf Silben), das Reimschema lautet meist a-x-a, seltener x-a-a oder a-a-x; ein x bezeichnet dabei reimlose Zeilenschlüsse. Im deutschen Sprachraum wird im ersten Vers gern eine Blume angerufen.

Die Myrte

Flora-Myrthe

Blühende Myrte –
Ich hoffte süße Frucht von dir zu pflücken;
Die Blüte fiel; nun seh ich, daß ich irrte.
(Theodor Storm)

Textgestaltung für Selfpublisher: Wie Sie die sechs häufigsten Fehler in der Detailtypografie vermeiden

Buchgestaltung-BlogWer seine Bücher nicht nur selbst publiziert, sondern auch selbst gestaltet, sollte sich  typografisches Basiswissen aneignen. So gibt es etwa einige recht verbreitete Fehler bei der Verwendung von Satzzeichen, an denen der Fachmann sofort den Laien erkennt. Hinweise zum korrekten Gebrauch finden Sie zum Beispiel im DUDEN (in den Kapiteln »Rechtschreibung und Zeichensetzung« und »Textverarbeitung und E-Mails«). Die häufigsten Schnitzer werden auch auf der Website Typefacts – Typografie verstehen anschaulich erklärt. Im Folgenden zeige ich, wie Sie die sechs Fehler vermeiden, die mir am häufigsten begegnen, wenn ich Text zum Lektorieren oder Layouten erhalte. Die angegebenen Befehlsfolgen beziehen sich auf das Programm Microsoft Word 2010.

1. Setzen Sie immer nur ein Leerzeichen

Zwischen zwei Wörtern steht genau ein Leerzeichen. Sind es zwei oder drei, ergeben sich unschöne Lücken. Die zusätzlichen Leerzeichen schleichen sich gern beim schnellen Schreiben und Umstellen von Textteilen ein, vor allem, wenn sie auf dem Monitor unsichtbar sind. Deshalb sollten Sie sich einige Formatierungen stets anzeigen lassen.
DATEI > Optionen > Anzeige > [unter: »Diese Formatierungszeichen immer auf dem Bildschirm anzeigen« sollten Häkchen gesetzt werden bei »Tabstoppzeichen«, »Leerzeichen« und »Absatzmarken«.]
Überflüssige Leerzeichen entfernen Sie mit der Funktion »Suchen und Ersetzen«: START > Bearbeiten > Ersetzen > Suchen nach [zwei Leerzeichen] und Ersetzen durch [ein Leerzeichen]. Diesen Vorgang wiederholen Sie so oft, bis keine Ersetzungen mehr gefunden werden.

2. Beschließen Sie das Zeilenende nie mit einer Absatzmarke

Wer noch mit der Schreibmaschine sozialisiert wurde, neigt zuweilen dazu, am Ende einer Bildschirmzeile die Taste »Return« zu drücken. Damit wird ein neuer Absatz erzeugt. Wie fatal dieser Fehler ist, wird nach einer Umformatierung an den zerhackten Zeilen deutlich. Lassen Sie sich die Absatzmarken deshalb immer anzeigen (siehe voriger Punkt). Zu viel gesetzte Absatzmarken müssen mühsam per Handarbeit entfernt werden.

3. Verwenden Sie die Auslassungspunkte korrekt

Erste Regel: Es werden immer drei Punkte gesetzt – nicht mehr und nicht weniger. Zweite Regel: Ob die Auslassungspunkte direkt an das Wort anschließen oder ob davor und danach ein Leerzeichen steht, hängt von der Art der Auslassung ab. Generell zeigen die Punkte an, dass etwas fehlt: einzelne Buchstaben, ganze Wörter, Satzteile oder Sätze. Werden Buchstaben eines Wortes ausgelassen, schließen die Punkte direkt an, in allen anderen Fällen wird davor und danach ein Leerzeichen eingefügt. Wenn ein Satz mit Auslassungspunkten endet, wird auf einen zusätzlichen Punkt als Satzzeichen verzichtet. Frage- oder Ausrufezeichen werden wie gewohnt benutzt.

4. Beachten Sie den Unterschied zwischen Binde- und Gedankenstrich

Es nicht zu tun, ist ein verbreiteter Fehler, dabei bedeuten sie Gegensätzliches und der falsche Gebrauch führt deshalb leicht zu Verständnisproblemen. Der Gedankenstrich trennt, der Bindestrich verbindet. Aus der gegensätzlichen Funktion beider Striche resultiert ihre unterschiedliche Form. Der Gedankenstrich (–) ist etwas länger und wird jeweils durch ein Leerzeichen vom vorhergehenden und nachfolgenden Wort abgetrennt. Der Bindestrich (-) dagegen ist kürzer und wird ohne Leerzeichen zwischen die zu verkuppelnden Wörter gesetzt.
Bei der Verwendung von Word sollte eigentlich automatisch das jeweils richtige Zeichen erscheinen: Wird die Abfolge Leerzeichen, Bindestrich, Leerzeichen getippt, wird per Autokorrektur der auf der Tastatur vorhandene Binde- in einen Gedankenstrich verwandelt. Ohne die Leerzeichen bleibt es allerdings beim Bindestrich. Doch das funktioniert nicht zuverlässig, in seltenen Fällen wird sogar ein eindeutiger Bindestrich zum Gedankenstrich. Um nachträglich einen Gedankenstrich zu erzeugen, gehen Sie wie folgt vor: EINFÜGEN > Symbol > Weitere Symbole > Sonderzeichen > Halbgeviertstrich (= Gedankenstrich) oder über die Tastenkombination STRG + Num -.

5. Benutzen Sie die richtigen Anführungszeichen

Im Deutschen haben An- und Abführungszeichen eine unterschiedliche Form. Diese „Zeichen“ sind nicht korrekt. So werden „normale“ Zeichen erzeugt: DATEI > Optionen > Dokumentprüfung > Autokorrektur-Optionen > AutoFormat > Ersetzen [Häkchen bei »Gerade Anführungszeichen durch typographische«].
Wichtig ist zudem, dass als Sprache »Deutsch« eingestellt ist. Das wird bei Word in der Fußzeile des Monitors angezeigt und kann dort oder unter DATEI > Optionen > Sprache geändert werden.
Beachten Sie die Regel „96“, eine Eselsbrücke, die hilft, sich die richtige Form der Anführungszeichen zu merken, denn unter den Symbolen finden sich auch ähnliche, die aber unkorrekt sind. Bei der Anführung befindet sich die Verdickung oben (»9«), bei der Abführung unten (»6«).

6. Fahnden Sie nach dem korrekten Apostroph

Man setzt oft das verkehrte Zeichen, weil man ein ähnliches auf der Computertastatur dafür hält. Das weist jedoch die Verdickung an der falschen Stelle auf. Wer auf der Tastatur nicht fündig wird und unter den Symbolen sucht (EINFÜGEN > Symbol), entdeckt weitere Möglichkeiten, unter denen der Apostroph nur mit Mühe zu identifizieren ist. Er darf weder mit dem einfachen deutschen Abführungszeichen (‘) noch mit dem Minutenzeichen (‚) oder dem Akzent Akut (`) verwechselt werden. Der Apostroph ist kenntlich an der Verdickung oben (’; Unicode 2019), erinnert also an die Zahl »9«.

Diese Tipps stammen aus der Kurzanleitung Buchgestaltung mit Word. Schritt für Schritt zum Print on Demand (Norderstedt: BoD 2015, 48 S., 4,99 €; E-Book 1,99 €). Der Titel ist überall im Buchhandel bestellbar.