Archiv für den Monat Januar 2015

„Mir hat Ihr Buch nicht gefallen“ – vom Umgang mit Kritik

Wer schreibt, möchte gelesen werden. Deshalb sind Autoren in der Regel stolz und glücklich, wenn ihr Werk publiziert wird. Was man sich oft nicht klarmacht: Damit wird das Werk auch potenziell zum Gegenstand öffentlicher Bewertung. Solange es gelobt und empfohlen wird, genießt man diese Aufmerksamkeit, mit negativer Kritik und Ablehnung ist es schwieriger. Man muss erst lernen, sie zu akzeptieren und nicht auf sich selbst zu beziehen.

Was soll man tun, wenn ein Leser uns direkt sagt, dass ihm nicht gefällt, was wir geschrieben haben? Iris Boden hat darüber in ihrem Blog berichtet. „Ihre Geschichten sind alle so negativ. In meiner persönlichen Situation brauche ich aufbauende Geschichten“ wurde ihr vorgehalten. Es ist verständlich, dass die Autorin widersprach und auf die Absichten verwies, die sie beim Schreiben leiteten. Daraus entspann sich ein Pingpongspiel aus Meinung und Gegenmeinung. Natürlich musste dieser Disput ergebnislos bleiben, weil es einzig und allein um ein Geschmacksurteil ging. Die Leserin hat diese Lektüre subjektiv so empfunden, dagegen hat kein Argument Bestand. Unverständlich ist nur, warum sie die Autorin dafür verantwortlich macht.

Jedem von uns ist das schon mal passiert: Man kauft ein Buch, weil es ganz oben auf der Bestsellerliste steht oder weil eine Freundin schwärmt: »Das musst du unbedingt lesen.« Und dann ist man maßlos enttäuscht, weil es nicht den eigenen Erwartungen und dem persönlichen Lesegeschmack entspricht. Pech gehabt. Mir ist es zuletzt mit dem Buchpreisgewinner „Kruso“ von Lutz Seiler so gegangen. Ich komme einfach nicht rein in den Roman und finde ihn ziemlich langweilig. Vielleicht hätte ich mich vorher besser informieren, einen Blick ins Buch werfen oder die Leseprobe intensiver prüfen sollen. Nur: Dass mir das Buch nicht gefällt, kann ich dem Autor nicht anlasten.

Trotzdem gilt natürlich: Wer öffentlich agiert, muss lernen, mit Kritik zu leben, auch mit absurder und ungerechtfertigter. Man kann das bei Amazon sehr schön verfolgen. Gerade bei sehr erfolgreichen Büchern taucht mit Sicherheit irgendwann jemand auf, der eine Ein-Stern-Bewertung abgibt. Ob aus persönlicher Abneigung gegenüber Autor und Buch, um einen Konkurrenten zu diffamieren oder einfach nur in Trollmanier zu provozieren, lässt sich meist nicht feststellen. „Die Tipps sind allesamt altbacken und sind ausführlicher und besser im Internet zu finden“, schrieb Larissa Baumgärtner über meinen Ratgeber „Aus dem Lektorat“. Warum hat sie ihn dann gekauft?, fragte ich mich, reagierte aber nicht. Und auch den Rezensenten „Reiseschelm“ machte ich nicht darauf aufmerksam, dass er bei seinem Urteil, mein Krimi „Linstows Geheimnis“ habe das „Niveau eines Dreigroschenromans“ ganz sprachkreativ aus „Dreigroschenoper“ und „Groschenroman“ ein neues Wort gebildet hatte. Mir imponiert, wie die Autorin Hanni Münzer („Honigtot“) mit Ein-Stern-Meinungen bei Amazon umgeht. Sie schreibt zum Beispiel: „Haben Sie dank für Ihre Meinung zu meinem Buch. Es tut mir leid, dass es Ihnen so gar nicht gefallen hat.“ Außer Schweigen ist das die einzig angemessene Reaktion. Mehr ist nicht nötig. Jeder Leser hat das Recht zur Kritik, aber kein Autor muss sich für das rechtfertigen, was er geschrieben hat.

Anders verhält es sich übrigens bei begründeter Kritik. Ein Leser hat einen Sachfehler entdeckt? Jemand bemängelt eine große Zahl an Grammatik- oder Rechtschreibfehlern? Das sollten Sie überprüfen und nach Möglichkeit spätestens bei der nächsten Auflage ändern. Und sich beim Kritiker vielmals für den Hinweis bedanken.

Wie ist Ihre Meinung? Haben Sie Tipps, wie man mit kritischen Stimmen umgehen sollte?

Zwanzig Tipps für perfekte Figuren

Figurenbrett

  1. Sie können nicht zu viel über Ihre Figuren wissen.
  2. Beginnen Sie erst mit dem Schreiben, wenn Ihre Haupt­figuren für Sie zu guten Bekannten geworden sind.
  3. Damit Sie bei der Entwicklung der Handlung nicht den Protagonisten aus dem Blick verlieren, empfiehlt es sich, den Plot von der Hauptfigur aus zu entwickeln: Dieser Roman handelt von Karl, der sich in Karla verliebt hat. Er …
  4. Schreiben Sie zu jeder handlungsrelevanten Figur eine Biografie als fortlaufenden Text, orientieren Sie sich dabei an der Liste mit Aspekten der Figurenentwicklung.
  5. Machen Sie sich Gedanken darüber, wie Ihre Figur zu der wurde, die sie ist, und was sie für die Zukunft anstrebt.
  6. Lieben Sie Ihre Figuren, selbst wenn sie sich nicht liebenswert verhalten. Wenn Sie Ihre Figuren nicht schätzen, wird es auch der Leser nicht tun.
  7. Wenn Sie das Gefühl haben, mit Ihren Figuren noch nicht hinreichend vertraut zu sein, versuchen Sie sie besser kennenzulernen.
  8. Prüfen Sie am Ende der Konzeptionsphase Biografie und Plot im Wechsel: Hat der Protagonist ein Ziel? Gibt es genügend Widerstände und antagonistische Gegenkräfte? Wird sein Leidenspotenzial voll ausgereizt? Überzeugt der Schluss?
  9. Gestalten Sie gemischte, mehrdimensionale Charaktere. Ein positiver Held sollte ein Laster oder einen dunklen Fleck haben, ein negativer Held zumindest eine anerkennenswerte Eigenschaft.
  10. Prüfen Sie, ob Sie Ihrer Hauptfigur all die Eigenschaften mitgegeben haben, die sie benötigt, um ihre Aufgabe erfüllen zu können.
  11. Beachten Sie das Prinzip der Erzählökonomie: Haben Sie sich bei der Figurenentwicklung auf Eigenschaften konzentriert, die für die Handlung relevant sind? Stellen Sie im Erzähltext selbst die Hauptfigur ausführlich und die Nebenfiguren nur knapp vor.
  12.  Achten Sie auf Abwechslung: Die verschiedenen Figuren sollten sich in ihrem Äußeren und ihrem Charakter deutlich unterscheiden.
  13. Wenn Sie unsicher sind, welche von mehreren Figuren die Hauptrolle übernehmen soll, entscheiden Sie sich am besten für diejenige, die in den stärksten Konflikt gerät, die meisten Probleme zu lösen hat, am schwersten leiden muss und das größte Handlungspotenzial besitzt.
  14. Berücksichtigen Sie, dass Figuren emotional dann überzeugen, wenn sie dem Leser ein Stück weit vertraut und ein Stück weit fremd sind.
  15. Handelt Ihr Protagonist motiviert und glaubwürdig?
  16. Vermeiden Sie Klischees und Stereotype: Unterlaufen Sie die Erwartungen der Leser an entscheidenden Punkten.
  17. Legen Sie vor Schreibbeginn die Erzählperspektive(n) fest. Wenn Sie unsicher sind: Experimentieren Sie mit verschiedenen Möglichkeiten, bevor Sie sich endgültig entscheiden.
  18. Führen Sie im Erzähltext den Protagonisten möglichst früh ein, damit der Leser sich schnell eine konkrete Vorstellung machen kann. Im Idealfall ist er schon ein wenig vertraut mit der Hauptfigur, bevor das Ereignis stattfindet, das die Handlung in Gang setzt und die Konflikte heraufbeschwört.
  19. Verwenden Sie Darstellungsformen wie Erzählerbericht und Beschreibung maßvoll, bevorzugen Sie die szenische Gestaltung, weil die Figuren nur im Handeln lebendig ­werden.
  20.  Statten Sie Ihre Figuren mit individuellen Spracheigenheiten aus. Achten Sie darauf, dass nicht der Erzähler über deren Köpfe hinweg mit dem Leser kommuniziert.

Aus: Helden, Helfer und Halunken. Perfekte Figuren für Ihren Roman. Ein Schreibratgeber (2014), S. 189 f.

Basisseminar Erzählen: Figuren

Wie hilfreich sind Schreibratgeber für Sie? Bei mir füllen sie inzwischen mehrere Regalbretter und ich habe wahnsinnig viel daraus gelernt. Doch der Schritt von der Theorie zur Praxis fällt mir oft nicht leicht. Habe ich diese oder jene Methode, die mir bei der Lektüre sehr einleuchtend erscheint, tatsächlich korrekt umgesetzt? Manchmal beginne ich zu zweifeln und das Ergebnis überzeugt mich nicht. Das ist dann der Moment, in dem der Austausch in einer Gruppe oder ein Blick von außen hilfreich sind.

ahr-stadttor-mod-2Wenn Sie selbst gerade dabei sind, Ihr Personal für eine Geschichte zu entwickeln, nach Anregungen und Handwerkszeug suchen und sich über Ihre Ideen und Entwürfe gern austauschen möchten, ist dieses Wochenendseminar an der Ahr für Sie genau richtig.

Ahrweiler-2011-3Von Freitagnachmittag bis Sonntagmittag dreht sich alles um Ihre literarischen Figuren. Sie erfahren, welche Aspekte Sie bei der Entwicklung von Charakteren beachten sollten, lernen Ihre Helden und Heldinnen genau kennen und lassen sie schließlich in konkreten Aktionen handeln, reden und denken. In kleinen Schreibübungen können Sie das Gelernte direkt umsetzen und – wenn Sie mögen – anschließend zur Diskussion stellen. Bei den Mahlzeiten und abends beim Wein können Sie sich weiter austauschen über alle Fragen zum Schreiben, die Sie beschäftigen.

Sie möchten mehr erfahren? Dann klicken Sie hier …

Schreibtipp: Figuren sammeln

Sind Sie mit vielen kreativen Vorsätzen ins neue Jahr gestartet? Dann wünsche ich Ihnen, dass es nicht bei den Vorsätzen bleibt, sondern Sie die Kraft und das Durchhaltevermögen haben, Ihre Schreibprojekte zu einem glücklichen Ende zu bringen. Mit meinen Tipps möchte ich Sie dabei unterstützen.

gruppe72dpiEntscheidend für den Beginn und oft auch für das Gelingen einer Erzählung oder eines Romans ist die Gestaltung überzeugender und origineller Figuren. Für viele Autoren und Autorinnen ist das zugleich eine erste große Hürde. Am Anfang steht häufig die Frage: Wo finde ich Figuren? Manche zweifeln an ihrer Fähigkeit, sich Figuren auszudenken. »So viel Fantasie habe ich nicht«, sagen sie. Dabei genügt die Fähigkeit zu genauer Wahrnehmung. Überall lassen sich interessante Menschen entdecken, die in fiktionale Helden und Heldinnen verwandelt werden können: im Freundeskreis, in der Familie, unter Kollegen, in Zeitungsberichten, Interviews, Reportagen, Todes- und Heiratsanzeigen, auf Grabsteinen, im Café, auf Flughäfen und Bahnhöfen, überhaupt an allen öffentlichen Orten.

Jetzt ist die beste Zeit, neue Gewohnheiten zu erproben. Schlendern Sie durch die Stadt, gern durch ein unbekanntes Viertel, spazieren Sie durch einen Park oder setzen Sie sich in ein Café. Suchen Sie sich einen Platz, von dem aus Sie gut beobachten können, und notieren Sie alles, was Ihnen auffällt: Aussehen, Kleidung, Mimik, Gestik, Sprache, Verhalten. Achten Sie vor allem auf die besonderen Details. Machen Sie sich auch Gedanken über die emotionale Befindlichkeit der Personen, über das Verhältnis ihren Begleitern sowie ihre Lebensumstände. So schaffen Sie sich auf einfache Weise einen Materialfundus, auf den Sie bei der konkreten Figurenarbeit zurückgreifen können.

Weitere Tipps finden Sie in meinem Schreibratgeber Helden, Helfer und Halunken. Perfekte Figuren für Ihren Roman.