Archiv für den Monat September 2014

Literaturliste zu „Helden, Helfer und Halunken“

Helden-Helfer-Halunken-Cover

Der Schreibratgeber enthält ein ausführliches Verzeichnis der verwendeten Literatur. Hier können Sie eine thematisch geordnete Literaturliste herunterladen, von der aus Sie auch direkt zu den zahlreichen Websites springen können, die im Buch erwähnt werden.

Literaturliste-Helden, Helfer und Halunken

Weitere Informationen zum Buch hier

 

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Schreiben auf Rügen

binz-april-07-(36)Ich freue mich schon sehr. Anfang Oktober geht es wieder nach Rügen. Die Insel ist im Laufe der letzten zehn Jahre fast so etwas wie eine zweite Heimat für mich geworden, vor allem eine Schreibheimat. Nirgendwo sprudeln die Gedanken besser und fließen die Sätze leichter zu Geschichten und Sachtexten zusammen. Nötig ist nur ein Arbeitsplatz mit Meerblick, und davon gibt es in den zahlreichen Ferienwohnungen entlang der Promenade von Binz jede Menge (in der Nebensaison auch durchaus bezahlbare). Und wenn der Kopf eine Pause braucht, mache ich einen langen Strandspaziergang, immer am Ufersaum entlang. Ganz oft entwirren sich dabei verknäulte Ideenfäden und ordnen sich wie von selbst zu logisch strukturierten Gedankensträngen.

SchreibtippWunderbarer Nebeneffekt: Meist bringe ich vom Strand etwas mit: eine Möwenfeder oder einen glattgeschmirgelten Handschmeichler-Stein etwa. Von solchen Dingen kann man sich sehr gut zum Schreiben anregen lassen. So geht’s:

Schreiben zu Fundstücken

BuchMeerBringen Sie von Ihren Spaziergängen Fundstücke mit. Zu entdecken gibt es viel: Steine, Muscheln oder Schwemmholz am Strand, Pilze, Borken, Moose im Buchenwald der Granitz, Blumen und Gräser auf den Wiesen und an den Feldrainen. Wählen Sie ein Fundstück aus, legen Sie es vor sich auf den Tisch und betrachten Sie es ausgiebig, mindestens fünf Minuten, besser länger. Nehmen Sie es in die Hand, betasten Sie es, riechen Sie daran. Vielleicht ist sogar etwas zu hören? Machen Sie sich Notizen. Suchen Sie bei einem offensichtlich schönen Gegenstand nach dem Makel, der Delle, dem Fehler. Wirkt das Fundstück auf den ersten Blick unansehnlich, suchen Sie nach dem verborgenen Reiz, dem faszinierenden Detail. Welche Erinnerungen oder Assoziationen verbinden Sie mit dem Gegenstand? Welche Gefühle weckt er? Lassen Sie Ihre Notizen auf sich wirken und gestalten Sie daraus eine Beschreibung.

Lust zum Schreiben am Meer?

Wenn Sie im Oktober noch ein paar Tage Zeit haben (genauer gesagt vom 06. bis 10.10.), Sehnsucht nach dem Meer verspüren und Lust zum Schreiben haben, dann kommen Sie doch einfach mit: In der Literaturwerkstatt auf Rügen sind noch zwei Plätze frei.

Und wenn Sie nach weiteren Anregungen zum Schreiben an inspirierenden Orten Ausschau halten, dann ist Kreativ unterwegs das richtige Buch für Sie. Eine Leseprobe mit fünf Schreiborten erhalten Sie als E-Book gratis.

Was man von einem Bestseller lernen kann

41hU+3EZIRLSie kennen den Tipp ganz sicher: Wer Romane schreiben möchte, sollte Romane lesen. Dadurch lernt man mehr als durch jeden Schreibratgeber, und sei er noch so dick. Ganz besonders hilfreich müsste es demnach sein, Bestseller zu lesen. Auch wenn daraus nicht zwangsläufig folgt, dass einem selbst welche gelingen. Aber ganz sicher lassen sich Erfolg versprechende Strategien erkennen. Ein Musterbeispiel dafür ist „Ein ganzes halbes Jahr“ von der sympathischen Engländerin Jojo Moyes. Der Unterhaltungsroman steht seit vielen Monaten auf den deutschen und internationalen Bestsellerlisten ganz vorne und verkaufte sich bis Mitte 2014 allein in Deutschland mehr als 1,2 Millionen Mal.

Was hat dieser Roman was andere nicht haben? Einen geradezu klassischen Spannungsaufbau und eine wunderbare Protagonistin. Mit dieser absolut „normalen“ Louisa Clark können sich Leserinnen leicht identifizieren: Sie stammt aus kleinen Verhältnissen, fühlt sich wenig selbstbewusst, schlingert ohne besonderes Ziel durchs Leben und hat sich in einer lauwarmen Beziehung mehr schlecht als recht eingerichtet. Dann wird sie arbeitslos und muss jeden erdenklichen Job annehmen. So kommt sie zu der Aufgabe, einen Mann zu betreuen, den sie unter anderen Umständen nie kennengelernt hätte. Will Traynor ist das genaue Gegenteil von Louisa: Er ist ehrgeizig, neugierig, reich, gebildet und gut aussehend – aber eben auch gelähmt und rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen. Louisas erstes Problem: Sie muss mit dem sarkastischen und depressiven Mann irgendwie zurechtkommen. Schon daran verzweifelt sie beinahe. Nur weil sie auf den Verdienst angewiesen ist, harrt sie aus. Doch bald stellt sich heraus, dass der anfangs so groß erscheinende Konflikt lächerlich klein ist im Vergleich zum folgenden. Lou erfährt, dass Will fest entschlossen ist, sein Leben zu beenden. Seine Familie hat ihm eine Frist von sechs Monaten abgerungen, in der er seine Entscheidung überprüfen soll. Jetzt hat Lou ein Ziel: Sie will in dem halben Jahr erreichen, dass Will seinen Entschluss aufgibt. Wird ihr das gelingen? Wer bis zu dieser Stelle gelesen hat, kann das Buch vermutlich nur noch schwer aus der Hand legen. Denn jetzt beginnt ein Wettlauf mit der Zeit, um Leben und Tod eines geliebten Menschen, denn zumindest der Leser weiß lange vor Lou, wie es um ihre Gefühle steht.

Mehr Spannung geht nicht! Moyes hat einen absolut überzeugenden Plot kreiert, der ein Höchstmaß an emotionaler und existenzieller Dringlichkeit enthält und durch den Zeitdruck die Spannung noch weiter steigert. Weitere Motivstränge wirken als Ergänzung: Lou entdeckt ihre Stärken, bricht aus der Bequemlichkeit aus und entwickelt Ziele für eine Veränderung ihres eigenen Lebens.

Kennen Sie andere Beispiele für dramaturgisch faszinierende Konflikte?

SchreibtippNehmen Sie Ihren Lieblingsroman zur Hand und prüfen Sie den Spannungsaufbau. Fragen Sie sich, in welchem Moment der Roman Sie gepackt hat. Wann wollten Sie ihn nicht mehr zur Seite legen?  Was wollten Sie erfahren? Welche Frage sollte der Roman Ihnen beantworten? Welches Ziel verfolgte die Hauptfigur? Welche Hindernisse musste sie überwinden? Formulieren Sie anschließend ähnliche Fragen für Ihr Schreibprojekt. Finden Sie den Punkt, an dem Sie Ihre Leser ganz in den Bann der Handlung ziehen.

Jojo Moyes: Ein ganzes halbes Jahr. Roman. Reinbek: Rowohlt TB Verlag 2013